Mathilde_4-01-12

[engl. translation]

Marsberg Patientenakte Mathilde Sturm Teil 4 Seiten 01-12

Gevelsberg den 7. Juni 1889

Geertester Herr Inspecktor

Da ich so lange nichts von meiner Schwiegertochter gehört habe so bitte ich Sie mich doch einmal zu benachrichtigen wie es Ihr geht

Es grüßt Frau Karl Sturm

Adreß Karl Sturm, [Haufe?] Gevelsberg


Ihr Wohlgeboren

benachrichtige ich, daß die Frau Sturm stets recht verwirrt ist und vielfach an Gehörtäuschungen leidet. Wenn man sie anredet so lacht sie freundlich und redet allerlei verwirrt durcheinander ohne auf daß, wonach man sie fragt, einzugehen. Zugleich gibt sie an, daß sie Stimmen von bekannten Leuten aus Neheim und auch von Unbekannten höre, die ihre droheten, Vorwürfe machten, ihre Sachen pfänden wollten etc. Meist hält sie sich ruhig und beschäftigt sich mit Handarbeiten und bei der Wäsche, vielfach wird sie aber auch in Folge ihrer Täuschungen aufgeregt, schimpfend und drohend. Körperlich ist sie wohl und kräftig.
d. 14.6.83 Der Director
Hagelöllingen den 14. Mai 1885

Wolgeboren Herren Sanithätsrath.

Da ich seit fier jar nit fonn Meine Frau gehört habe, so Motche ich Sie doch Ersuchen Mir sobald wie möglich benachtietchen Wiessinnilich geht. Opin wiedr besser wart Oder nicht ich wärde schonn selber dorthinn gekommen. Aber das fer dienz ist hautche So??nach. Ich habe noch 3 kleine Kinder wach[noch] für zu sorgen mus und wier müssen alle bei fräude lautchn in lohin gehen können sie sich skoll denken das ich mich sofeil übr halten kann.

Mietfräulihchen grus
Friedrich Sturm
zu Hagelöllingen bei Gevelsberg
Eure Wohlgeboren p.p.

Daß Ihre Frau stes gleich verwirrt ist, an Gehörtäuschungen leidet und zeitweise auch aufgeregt wird. Im Allgemeinen hält sie sich ruhig für sich, beschäftigt sich auch ziemlich ordentlich mit häuslichen- und Handarbeiten, zuweilen wird sie ohne äußere Veranlassung plötzlich recht aufgeregt und [?dert] [?] laut schimpfend und drohet umher. Sie gibt als Grund hierfür an, daß sie bekannte Leute aus Neheim und auch Unbekannte rufen höre, die ihr Vorwürfe machten, schimpften und drohten. Eine geregelte Unterhaltung kann man mit ihr nicht führen, da sie ganz verwirrt redet. Körperlich ist sie wohl. Eine Heilung ist leider nicht mehr zu erwarten.
d. 19.5.1885 Der Director
Munster d. 31.1.86

Geehrter Director.

Ich muß bitten um enschuldigung das ich nicht längst schon mal ehr nach gefragt habe den es sind schon 5 Jahre her wo ich sie zu letzten mal gesehen habe, ich wahr im August zu zu Hause da sagte mein Stiefvater von meine Mutter das man keine ordendliche Unterhaltung mit ihr füren könnte, ich der älteste Sohn von der Frau Sturm ehemal Hartwig ich bin noch in der Lehre bei Herrn Rinchel. So bald wie ich kann komme ich auch mal dort hin. Nun bitte ich Sie sehr darum mir doch mal schreiben wie es ihr geht. ich bitte wenn sie etwas davon versteht grüßen Sie mir von ihrem Sohne
Oscar Hartwig
Adresse an Oscar Hartwig bei Meister Rinkel, Munster [?Neuthor] Wilhelmstraße 72
Eure Wohlgeboren p.p.

Daß Ihre Mutter hier an Sinnestäuschungen leidet, in ihren Gedanken und Reden verwirrt ist und auch öfters aufgeregt wird. Im allgemeinen hält sie sich ruhig für sich und beschäftigt sich gerne und ordentlich mit häuslichen und Handarbeiten, ist freundlich und zufrieden. Zuweilen wird sie ohne irgend eine Veranlassung plötzlich aufgeregt, geht laut schimpfend umher und wird drohend gegen ihre Umgebung, glaubt sich verfolgt, indem sie
Stimmen von Bekannten und Unbekannten hört, die ihr Vorwürfe machen, schimpfen und drohen. Bei der Unterhaltung führt sie recht verwirrte Reden. Körperlich ist sie wohl und kräftig.
d. 3.2.86 Der Director
Es wird um gefl. Beantwortung der auf der Rückantwort befindlichen Fragen ergebenst ersucht, behülfs Ausfüllung der Zählkarte für Armenstatistik.
Neheim 9.9.85. Dinslage Bürgermeister

Gv. d. 10.9.85

Erledigt ad acta
11.9.85 der Director gez. Dr.[Unterschrift]
Hagen, 19 Juni 1886

An
den Vorstand des St. Johannes Hospitals zu Marsberg

Eur. Wohlgeboren erlaube ich mir mit meiner Bitte zu belästigen, deren Gewährung Sie mir hoffentlich nicht abschlagen werden.

Aus unserer Familie befinden sich in der dortigen Anstalt zwei Geisteskranke, nämlich Madilde Sturm geb. Klute und Wilhelmine Roehl geb. Kluthe deren Schicksal mir sehr am Herzen liegt und, über deren Zustand wir seit langer Zeit nichts mehr gehört haben.

Eur. Wohlgeboren möchte ich deshalb durch Gegenwärtiges bitten mir doch mal über den
den Zustand der beiden oben genannten genaueres zu berichten, damit wir in einiger Maaßen damit auf dem laufenden bleiben.

In der Erwartung daß sie unsere bescheidene Bitte geneigtest berücksichtigen werden und Ihnen im Voraus unseren herzlichen Dank aussprechen zeichnen

Hochachtungsvoll I.N.d.F.
Frau Johann Hold geb. Klute.

Adresse.
Frau Johann Hold
in Hagen i/Westf.
Gartenstr. No 6 [heute Bergischer Ring]


1 Freimarke
Eure Wohlgeboren p.p.

Daß die Frau Sturm recht verwirrt ist an Gehörtäuschungen leidet und zweitweise auch aufgeregt wird. Im Allgemeinen hält sie sich ruhig und beschäftigt sich ziemlich ordentlich mit häuslichen und Handarbeiten, zuweilen wird sie aber auch ohne irgend eine äußere Veranlassung plötzlich sehr aufgeregt, geht dann laut schimpfend umher und wird drohend gegen ihre Umgebung. Sie behauptet [?] Leute aus Neheim rufen zu hören, welche ihr Vorwürfe machten, schimpften und drohten, meint man wolle sie bestehlen, glaubt sich überhaupt verfolgt. Dabei ist sie sehr verwirrt redet allerlei durcheinander, verkennt auch die Personen.

Die Frau Rühl leidet ebenfalls an Sinnestäuschungen, sie behauptet
die Mutter Gottes sei ihr erschienen, der hl. Geist sei über sie gekommen und solle sie nun Mutter Gottes werden, vom Himmel sei deshalb ein Rosenkranz zu ihren Füßen gefallen, während der hl Messe werde Christus persönlich aus dem Tabernakel zu ihr kommen, fernerhin in der Welt bleiben und alles glücklich machen. In diesen und ähnlichen Täuschungen und kranken Ideen ist sie fortwährend befangen, dabei hält sie sich leidlich ruhig und beschäftigt sich etwas mit Handarbeiten. Körperlich sind beide wohl.

d. 25. 6. 86 Der Director


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Marsberg patient file Mathilde Sturm part 4 pages 01-12

Gevelsberg, June 7, 1889

Dear Inspector

Since I haven't heard from my daughter-in-law for so long, I would ask you to let me know how she's doing

Greetings from Mrs. Karl Sturm

Address Karl Sturm, [Haufe?] Gevelsberg


Your goodness

I inform you that Mrs. Sturm is always very confused and often suffers from deafness. If you speak to her, she laughs friendly and talks all sorts of confused things without answering what you ask her about. At the same time she states that she hears voices from well-known people from Neheim and also from strangers who threatened her, made reproaches, wanted to confiscate her things, etc. Most of the time she keeps quiet and busy with handicrafts and with the laundry, often she becomes but also excited, cursing and threatening as a result of their deceptions. Physically she is fit and strong.
i.e. 6/14/83 The director
Hagelöllingen, May 14, 1885

Well-born gentlemen's medical council.

Since I haven't heard from my wife for four years, I would like to ask you to let me know as soon as possible what is going on. Opin better wait again or not I would have come there myself. But the fer dienz is hautche so??after. I still have 3 small children to look after and we all have to go to Fraude Lautchn's in Lohin, you can be sure that I can hold my own.

Rental lady greetings
Friedrich Sturm
to Hagelöllingen near Gevelsberg
Your well-born p.p.

That your wife is always immediately confused, suffers from deafness and at times gets agitated. In general she keeps quiet to herself, also keeps herself fairly busy with household chores and handicrafts, sometimes without any external cause she suddenly becomes quite excited and loudly scolds and threatens. She gives the reason for this that she heard well-known people from Neheim and also strangers shouting, who blamed her, scolded and threatened her. You can't have a regular conversation with her because she talks very confused. Physically she is fine. Unfortunately, a cure is no longer to be expected.
i.e. May 19, 1885 The Director
Munster d. 1/31/86

Dear Director.

I have to apologize that I haven't asked you about it long ago, it's been 5 years since I last saw you, I was at home in August and my stepfather said to my mother that there was no proper conversation could foren with her, I am the eldest son of Mrs. Sturm, formerly Hartwig, I am still an apprentice with Mr. Rinchel. I'll get there as soon as I can. Now I ask you very much to write me how she is doing. I beg if she understands any of this, say hello to me from her son
Oscar Hartwig
Address to Oscar Hartwig at Meister Rinkel, Munster [?Neuthor] Wilhelmstraße 72
Your well-born p.p.

That your mother here suffers from hallucinations, is confused in her thoughts and speech, and often gets agitated. In general she keeps quiet and enjoys doing housework and handicrafts properly, is friendly and content. Sometimes, without any reason, she suddenly becomes excited, goes around shouting abuse and threatens those around her, believing she is being persecuted
Hearing voices of friends and strangers reproaching, scolding and threatening. When talking, she makes rather confused speeches. Physically she is fit and strong.
i.e. 3.2.86 The Director
It will be flown at Please answer the questions on the reply, in order to fill out the counting card for poor statistics.
Neheim 9.9.85. Dinslage mayor

Gv. i.e. 9/10/85

Done ad acta
9/11/85 the director signed Dr.[signature]
Hagen, June 19, 1886

To
the board of directors of the St. Johannes Hospital in Marsberg

Eur. Well-born, allow me to bother you with my request, which I hope you will not refuse.

From our family there are two mentally ill people in the institution there, namely Madilde Sturm née Klute and Wilhelmine Roehl née Kluthe, whose fate is very important to me and about whose condition we have heard nothing for a long time.

Eur. Well-born I would therefore like to ask about the
to report the condition of the two above in more detail, so that we can to some extent on thestay current.

In the expectation that you will consider our humble request and express our heartfelt thanks in advance

Sincerely I.N.d.F.
Mrs. Johann Hold née Klute.

Address.
Mrs. Johann Hold
in Hagen i/Westf.
garden street No 6 [today Bergischer Ring]


1 postage stamp
Your well-born p.p.

That Mrs. Sturm is quite confused, suffers from deceptive hearing and at times also gets excited. Generally she keeps quiet and keeps herself reasonably busy with housework and handwork, but at times, without any external cause, she becomes suddenly very excited, and then goes about scolding loudly, and becoming menacing towards those around her. She claims [?] to hear people from Neheim calling out, who reproached her, scolded and threatened her, thought they were trying to steal from them, believed they were being persecuted at all. She is very confused, talks all sorts of things at once, and also misjudges the people.

Frau Rühl also suffers from hallucinations, she claims
the Mother of God appeared to her, St. Spirit had come over her and if she were to become the mother of God, a rosary fell from heaven at her feet, during Holy Mass Christ would come to her personally from the tabernacle, remain in the world and make everything happy. She is constantly caught up in these and similar delusions and sick ideas, while keeping tolerably quiet and busying herself with handicrafts. Physically, both are fine.

i.e. 6/25/86 The Director


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Erstellt am 23.01.2016 - Letzte Änderung am 23.01.2016.