[engl. translation]
Marsberg Patientenakte Mathilde Sturm Teil 3 Seiten 01-11
[Akte-Mathilde_03]
[Akte-Mathilde_03#01]
Der Bürgermeister zu Neheim
Neheim, d. 1. April 1881
An den Director des St. Johannis Hospitals
Herrn Sanitätsrat Dr. Koster
Wohlgeboren zu Niedermarsberg
Anfang Januar d.Js. wurde ein Fragebogen über die Ehefrau Sturm hierselbst dorthin abgesandt und hierher telegraphisch mitgeteilt, daß die sofortige Aufnahme nicht stattfinden könne. Die Tobsucht hat sich inzwischen gelegt, eine Geistesschwäche ist jedoch zurückgeblieben. Es ist alle Hoffnung vorhanden, daß bei einer zweckmäßigen Behandlung die Geistesschwäche gehoben wird. Dazu ist aber hier um so weniger Gelegenheit, als der Mann dem Trunke ergeben ist.
Euer Wohlgeboren ersuche ich ergebenst um gefällige Nachricht, ob die Aufnahme der Frau Sturm nunmehr wird erfolgen können.
Der Bürgermeister
Dinslage
[Randnotiz links]
Dem p.p.
daß die Ehefrau Sturm aufgenommen werden kann, wenn dieselbe so ruhig ist, daß sie auf einer Abteilung für ruhige Kranke verpflegt werden kann. Den vorschriftsmäßigen Revers, wozu Formular beiliegt, ersuche ich spätestens bei der Einlieferung der Kranken einzusenden.
d. 2.4.81 I.A. [Unterschrift]
[zugesandt?] - Revers (1a) auch pers. Nachrichten begehrt - 3.4.81 -
Aufgenommen am 20. April 1881.
[Akte-Mathilde_03#02]
Der Bürgermeister zu Neheim
Neheim, d. 11. April 1881
An die Direction des St. Johannis Hospitals
zu Niedermarsberg
In den Anlagen erlaube ich mir den Zahlungsrevers für die Ehefrau Sturm nebst den Personal-Nachrichten ergebenst zu übersenden. Der g. Sturm wird seine Frau selbst überbringen.
Was die Kosten betrifft, so muß der Sturm solche tragen, und tritt die Gemeinde nur insofern ein, als die Zahlung dem Sturm nicht möglich sein wird, weshalb auch die Gemeinde Garantie geleistet hat. Es wird aber ergebenst ersucht, einen zweitweisen Erlaß der Kosten eintreten zu lassen, da die Anmeldung der Kranken sofort nach eingetretener Krankheit im Januar d. Js. geschehen ist.
Der Bürgermeister:
Dinslage
[Akte-Mathilde_03#03]
Nieder Marsberg den 20ten April 1881
Acten-Notiz.
Die heute stattgefundene Aufnahme der Mathilde Sturm, geb. Klute aus Neheim in das hiesige Hospital ist angezeigt:
1. der Ständischen Kommission zu Münster
2. dem Königlichen Amtsgerichte zu Neheim
3. der Königlichen Staatsanwaltschaft zu Arnsberg
und zwar der sub [unter] 1 genannten Behörde mit der Bitte die Aufnahme-Genehmigung unter Bewilligung eines Freijahres zu ertheilen, den Pflegesatz auf jährlich 288 Mark festzustellen, und die eingesandten Anlagen zu remittiren [zurückzuschicken]; der sub 2 gedachten Behörde mit dem Bemerken, daß es vor der Hand der gerichtlichen Blödsinnigkeits-Erklärung nicht bedürfe.
Der Direktor des St. Johannes-Hospitals Sanitätsrat [Unterschrift Kurzzeichen]
[Akte-Mathilde_03#04]
Münster, den 9ten May 1881
Die provinzialständische Commission für die Irren-Anstalten an die Direktion des St. Johannes Hospitals zu Marsberg
Auf den gefälligen Bericht vom 20.April d.J., dessen Anlagen hierbei zurück erfolgen, genehmigen wir nachträglich die vom 20ten v. Mts. erfolgte Aufnahme der Geisteskranken Ehefrau Mathilde Sturm geb. Klute aus Neheim Kreis Arnsberg in die dortige Anstalt und setzen die von den Ortsarmen-Verbandes der Stadt Neheim für die Verpflegung in der III. Tischklasse zu zahlenden Verpflegungs-Gelder auf Zweihundert acht und achtzig Mark jährlich hierdurch fest. Diese Verpflegungs-Gelder sind jedoch, da die Einlieferung der Kranken innerhalb der ersten sechs Monate nach Ausbruch der Krankheit erfolgt ist, erst von dem Ablaufe des Freijahrs an zu entrichten.
[Unterschriften]
[Randnotiz]
?. 12.5.81
Dem zu Neheim, Kreis Arnsberg, mittels des
[komplett unleserlich]
Genehmigung gegeben werden.
Der Direktor d. St. Joh. Hospitals
Sanitätsrat
(2 Kurzzeichen-Unterschriften)
[Akte-Mathilde_03#05]
[links aufgeklebter schmaler Zettel mit Bleistift ungelenk beschrieben]
gehter Herr Doctor, Sind doch so fränlich und benachrichten Mir ein Mall wy sich Meine Frau [vielleicht?] wieder gebessert hatt Frau Sturm [unter Vorbehalt]
?. 30.7.81 - Addresse umseite.
Euer Wohlgeboren
benachrichtige ich daß Ihre Frau noch immer recht verwirrt ist und allerlei ohne Zusammenhang durcheinander redet. Zugleich leidet sie an Gehör-Täuschungen, glaubt ihre Kinder hier rufen zu hören und meint auch sonst Stimmen aus der Luft zu hören. Meist hält sie sich ruhig und beschäftigt sich etwas mit Handarbeiten, ab und zu wird sie aber auch ohne irgend eine äußere Veranlassung sehr aufgeregt, schimpft in verwirrter Weise, wird drohend und selbst thätlich. Körperlich ist sie wohl.
d. 1.8.81. Der Director
[Akte-Mathilde_03#06]
[Zettelrückseite]
Meine Adresse
Friedrich Sturm Harkorten
bei Hagen
[Akte-Mathilde_03#07]
[obiger Zettel vergrößert]
[Akte-Mathilde_03#08]
Königliche Staatsanwaltschaft Arnsberg den 3. September 1881.
Die Direction der Provinzial-Anstalt St. Johannes-Hospital zu Marsberg
No. 6395
Die Direction der Provinzial-Anstalt ersuchen wir ergebenst um Auskunft, ob die Ehefrau Mathilde Sturm aus Neheim sich noch in dortiger Anstalt befindet und Aussicht auf Heilung bietet oder ob dieselbe unheilbar ist.
[Unterschrift]
[Randnotiz: "Ja!" und 'Aussicht auf Heilung' unterstrichen]
Dem og teile ich auf die gef. Zuschrift vom 3. d. M. Nr. 6395 hierdurh ergebenst mit, daß Frau Sturm sich noch in hiesiger Anstalt befindet und Aussicht auf Wiederherstellung bietet. d. Director
[Akte-Mathilde_03#09]
Königliche Staatsanwaltschaft Arnsberg 12 April 1882.
An die Direction des St. Johannes-Hospitals zu Marsberg
No 2853.
Die Direction des St. Johannes-Hospitals ersuchen wir ergebenst um Auskunft über den Gesundheitszustand der Ehefrau Mathilde Sturm aus Neheim und des Josef Rademacher aus Glinge, und insbesondere darüber ob und wann etwa deren Genesung und Entlassung aus der Anstalt zu erwarten?
[Unterschrift]
Ich benachrichtige, daß die Sturm an [] leidet u. deren Genesung nicht mehr in Aussicht genommen werden kann, ? dagegen bei Rademacher, welcher an einer ? ? leidet. Da Hoffnung auf Heilung noch nicht aufgegeben werden kann; bis wann jedoch eine ? ? eintritt, läßt sich nicht bestimmen.
15.4.82 [Kürzel]
[Akte-Mathilde_03#10]
Hagen 1ten September 1882
an Wohllöbliche Direction der St. Johannis Hospitals
Ersuche wohllöbliche Direction des St. Johannis Hospitals mir gefl: Auskunft zu geben über meine Schwester Mathilde, verehelichte Sturm aus Neheim welche sich schon seit etwa 1 1/2 Jahr dort befindet. Indem ich zum Voraus meinen meinen besten Dank für freundliche Auskunft sage zeigne mich Hochachtungsvoll
I. Hold
Kirchplatz 10, Hagen i/W.
Frau Hold geb. Klute
[Akte-Mathilde_03#11]
Euer Wohlgeboren
erwiedere p.p. daß Ihre Schwester, die Frau Sturm stets ein schwachsinng verwirrtes Wesen zeigt und zugleich an Sinnestäuschungen mit Aufregungen leidet. Dieselbe hält sich meist ruhig für sich und beschäftigt sich mit häuslichen Arbeiten ohne rechte Theilnahme für etwas an den Tag zu legen. Wenn man sie anredet so ist sie ganz freundlich, beantwortet aber die an sie gestellten Fragen nicht sondern spricht die verwirrtesten Sachen ohne allen Zusammenhang. Ab und zu wird sie plötzlich ohne irgend eine äußere Veranlassung aufgeregt und wandert dann laut schimpfend umher, doch gehen solche Aufregungen meist schnell vorüber. Dabei hört sie Stimmen aus der Luft oder in den Wänden von Verwandten und Bekannten, welche ihr meist allerlei Unangenehmes zurufen. Körperlich ist sie wohl und kräftig.
d. 4.9.82 Dr. Rübener
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weiter im Text zum Teil 4
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Marsberg patient file Mathilde Sturm part 3 pages 01-11
[Akte-Mathilde_03]
[Akte-Mathilde_03#01]
The mayor of Neheim
Neheim, d. April 1, 1881
To the Director of St. Johannis Hospital
Mr. Medical Councilor Dr. coster
Well born to Niedermarsberg
Beginning of January this year a questionnaire about the wife Sturm was sent here and telegraphed here that the immediate admission could not take place. The madness has subsided in the meantime, but a mental weakness has remained. There is every hope that, with appropriate treatment, the insanity will be relieved. But here there is all the less opportunity for this, since the man is devoted to drinking.
I sincerely request that you kindly inform me whether Frau Sturm can now be admitted.
The mayor
Dinslage
[marginal note left]
the p.p.
that the wife can be taken in by storm if she is calm enough to be cared for in a ward for quiet patients. I ask you to send in the regular lapel, for which the form is enclosed, when the patient is admitted at the latest.
i.e. 2.4.81 I.A. [signature]
[sent?] - reverse (1a) also personal messages desired - 3.4.81 -
Recorded April 20, 1881.
[Akte-Mathilde_03#02]
The mayor of Neheim
Neheim, d. April 11, 1881
To the direction of St. Johannis Hospital
to Niedermarsberg
In the attachments, I allow myself to humbly send the reversal of payment for wife Sturm along with the personal information. The G. Sturm will bring his wife himself.
As far as the costs are concerned, the storm has to bear such, and the community only steps in to the extent that the storm will not be able to pay, which is why the community has also given a guarantee. However, it is devoutly requested that a temporary waiver of costs be granted, since the patient must be registered immediately after the illness has occurred in January of this year. js happened.
The mayor:
Dinslage
[Akte-Mathilde_03#03]
Nieder Marsberg, April 20, 1881
file note.
The admission of Mathilde Sturm, née Klute from Neheim, to the local hospital that took place today is indicated:
1. the State Commission in Münster
2. the royal district court in Neheim
3. the Royal Public Prosecutor's Office in Arnsberg
namely the authority mentioned under [under] 1 with the request to issue the admission permit with the granting of a year off, to set the care rate at 288 marks per year, and to return the submitted attachments; the sub 2 imaginary authority with the remark that there is no need for the judicial declaration of stupidity for the time being.
The Director of the St. Johannes Hospital Medical Council [signature abbreviation]
[Akte-Mathilde_03#04]
Munster, May 9th, 1881
The provincial commission for the insane asylums to the directorate of the St. Johannes Hospital in Marsberg
On the pleasing report of April 20th of this year, the attachments of which are returned here, we subsequently approve those of April 20th. Mts. took place the admission of the mentally ill wife Mathilde Sturm née Klute from Neheim district of Arnsberg in the institution there and set the local poor association of the city of Neheim for the food in the III. table class to be paid for meals at two hundred and eighty marks annually. However, since the sick person was admitted within the first six months after the onset of the illness, these subsistence allowances are only to be paid from the end of the year of leave.
[signatures]
[Side note]
?. 12.5.81
To Neheim, district of Arnsberg, by means of the
[completely illegible]
approval to be given.
The director D. St. John Hospitals
medical board
(2 abbreviated signatures)
[Akte-Mathilde_03#05]
[a narrow piece of paper affixed to the left written awkwardly in pencil]
Mr. Doctor, you are so friendly and let me know that my wife [perhaps?] has improved again, Mrs. Sturm [with reservations]
?. 30.7.81 - address overleaf.
Your goodness
I inform you that your wife is still quite confused and is talking all sorts of things at once without any connection. At the same time she suffers from auditory deception, thinks she hears her children calling here and also thinks she hears voices in the air. Most of the time she keeps quiet and does some handicrafts, but now and then she gets very excited without any external reason,scolds in a confused manner, becomes threatening and even violent. Physically she is fine.
i.e. 1.8.81. The director
[Akte-Mathilde_03#06]
[back of note]
My address
Friedrich Sturm Harkorten
at Hagen
[Akte-Mathilde_03#07]
[above note enlarged]
[Akte-Mathilde_03#08]
Royal Public Prosecutor Arnsberg September 3, 1881.
The direction of the provincial institution St. Johannes Hospital in Marsberg
No. 6395
We ask the direction of the provincial institution for information as to whether the wife Mathilde Sturm from Neheim is still in the institution there and offers the prospect of recovery or whether it is incurable.
[Signature]
[Side note: "Yes!" and 'prospect of healing' underlined]
I share the above on the gef. Letter dated 3rd d. M. No. 6395 hereby agree that Ms. Sturm is still in the local institution and offers the prospect of recovery. i.e. Director
[Akte-Mathilde_03#09]
Royal Public Prosecutor Arnsberg 12 April 1882.
To the direction of the St. Johannes Hospital in Marsberg
No. 2853.
We ask the direction of the St. Johannes Hospital for information about the state of health of the wife Mathilde Sturm from Neheim and Josef Rademacher from Glinge, and in particular whether and when their recovery and release from the institution can be expected?
[Signature]
I report that the Sturm is suffering from [] and that her recovery can no longer be expected, ? on the other hand, with Rademacher, who on a ? ? suffers. Since hope for a cure cannot yet be given up; until when one? ? occurs cannot be determined.
4/15/82 [abbreviation]
[Akte-Mathilde_03#10]
Hagen September 1st, 1882
to Honorable Direction of St. Johannis Hospitals
I request the laudable direction of the St. Johannis Hospital: to provide information about my sister Mathilde, married Sturm from Neheim, who has been there for about 1 1/2 years. By expressing my best thanks in advance for kind information, I show myself your sincerely
I Hold
Kirchplatz 10, Hagen i/W.
Mrs. Hold née Klute
[Akte-Mathilde_03#11]
Your goodness
reply p.p. that your sister, Frau Sturm, always shows an imbecile, confused nature and at the same time suffers from hallucinations with excitement. She usually keeps quiet to herself and occupies herself with household chores without showing any real sympathy for anything. If you speak to her, she is quite friendly, but does not answer the questions put to her, but speaks the most confused things without any connection. Now and then she suddenly becomes agitated without any external cause and then wanders about loudly cursing, but such excitement usually passes quickly. She hears voices in the air or in the walls of relatives and acquaintances, who usually call out all sorts of unpleasant things to her. Physically she is fit and strong.
i.e. 9/4/82 Dr. beetroot
to the beginning -
continue in the text to part 4